Alois Reinhardt

2025

Kritik

Dietmar Kanthak

In dieser Form ist das Theater einfach unersetzlich

Auf einen Blick
Das Stück: Tschechows „Möwe“ ist in der Gegenwart angekommen, hat aber ihre Seele nicht verloren.
Die Inszenierung: Eine geglückte Balance zwischen Lebensverliererdrama und Komödie.
Die Schauspieler: Bewältigen anregend und berührend den Spagat zwischen spätem 19. und 21. Jahrhundert. d.k.

Die Aufführung nimmt sich also Freiheiten mit Tschechows Text, aber sie entfernt sich nicht von dessen Essenz. Zu vernehmen ist ein tiefer melancholischer Seufzer über menschliches Streben und Scheitern; zu sehen ist aber auch die darin eingekapselte Komödie.
Pawel (Alois Reinhardt) ist als alternder Theaterstar ebenfalls auf einem nicht enden wollenden Egotrip. Verlorener Jugend und verblassendem Erfolg widersetzt er sich im weißen Tschechow-Anzug (Kostüme: Ines Burisch), mit divenhafter Grandezza und sportlich – einmal sogar mit einem den Rücken strapazierenden Breakdance-Power-Move. Umwerfend komisch.

Die „Möwe“ kann man auch als Plädoyer in eigener Sache betrachten. Mit schlagender Wirkung. In dieser Form beweist das Theater, dass es einfach unersetzlich ist