Einander fallenlassen
Die Möwe dreht sich um den Sinn der Existenz, insbesondere der künstlerischen. Neben Kunstdiskursen stehen dabei Diskurse über die Liebe. In lebendigen Dialogen verstehen die Figuren einander falsch, es kommt zu Missverständnissen und Missgeschicken. Die Charaktere reflektieren eigene Künstlerpositionen, offenbaren persönlichen Ehrgeiz und egoistische Sehnsüchte.
Die gut aufeinander abgestimmten Akteure vermitteln dem Zuschauer neben dem komischen Potenzial auch authentisch Gefühle und innere Konflikte ihrer Figuren. Sie lassen in Konfrontationen Spannung entstehen und offenbaren auch melancholische Charakterzüge. Das Geschehen wird durch mehrmalige Videoprojektionen erweitert, welche dadurch andere Orte sichtbar werden lassen.
Für Alois Reinhardt als Pawel steht über allem die Kunst. Wenn Kostja spricht, wirkt Pawel innerlich abwesend. Er nimmt die künstlerischen Werke seines Sohnes kaum wahr und zeigt sich ihnen gegenüber sogar verächtlich. In Anwesenheit seines Sohnes hat er meist eigene Projekte im Kopf. Es kommt zwischen ihnen zu einem brachialen Konflikt von bitterlicher Schärfe. Hier wird deutlich, dass sich beide ständig miteinander vergleichen und dabei selbst nicht den Kürzeren zu ziehen vermögen.